Ein BruVi, das es nicht gibt  | Lesung Autorenkollektiv

Sonnabend, 18. Oktober 2025 | 19 Uhr

Eintritt frei

 

Wie früher beim Schulaufsatz: Einmal im Monat schreiben Ingo Behne (Berlin), Ramona Waterkotte (Mainz), Klaus Unger (Schwerte), Gregor Renker (Mülheim / Ruhr) und Eckart Müller (Schweringen) zu einem gegebenen Thema und zeitgleich je eine eigene Geschichte. Die fünf Mitglieder dieses Schreibringes sitzen nicht im selben Raum, sondern in ihren Heimatorten, zusammengeschaltet in einer Videokonferenz. Nach anderthalbstündiger Schreibzeit tragen alle ihre kurzweiligen Geschichten über Kamera und Mikrofon vor, tauschen sich dazu aus, fragen nach, kritisieren und loben viel, bis die Drähte glühen. Zwei Mitglieder dieses Schreibringes haben eine persönliche Verbindung in unsere Samtgemeinde - so ist der Auftritt im Haus am Markt entstanden. Die fünf Geschichten zu dem Motto der Lesung sind extra für diesen Abend entstanden.

Ingo Behne

Ramona Waterkotte

Klaus Unger

Gregor Renker

Eckart Müller


Drei Geschichten zu "Ein Bruchhausen-Vilsen, das es nicht gibt" können Sie hier lesen:

 

Wie Bruchhausen-Vilsen zu seinem Namen kam (Ingo Behne)

 

Wie wohl jedermann und jede Frau weiß, lockt der Fremdenverkehrsverein von Bruchhau-sen-Vilsen schon seit vielen Jahren Touristinnen und Touristen aus aller Welt mit jener sa-genhaften Begebenheit, die dem Ort angeblich seinen Namen verschaffte. Diese Geschichte geht ungefähr so:

In uralten Zeiten, da das Wünschen noch geholfen hat, wirkte auf einem Flecken südlich von Bremen ein Tiefbauer mit Namen Heinrich. Seine Frau, mit der er mehr schlecht als recht in einer kleinen, kärglichen Hütte lebte und eine nur mäßig glückliche Ehe führte, hieß Vilse . . . weiterlesen

 

Der Städtetag (Klaus Unger)

 

Schon morgens kroch die Nervosität langsam in mir hoch. Ich sah mich im Spiegel und malte mir aus, wie das sein würde, wenn mich nachher auf dem Städtetag so ein Großkotz wie Hamburg und Stuttgart anquatscht „Anoi, wer bischtn du?“ – wie soll ich da antworten fragte ich mich: „Gestatten, Bruchhausen-Vilsen“ – viel zu gestelzt; „Hallo Stuttgart, ich bin Bruchhausen-Vilsen, aber du kannst Bruchi zu mir sagen“ – viel zu anbiedernd, geht gar nicht. So verbrachte ich eine halbe Ewigkeit vorm Spiegel und übte mich so vorzustellen, dass nie-mand Verdacht schöpft. Am Ende hatte ich es so oft gemacht, dass ich selbst nicht mehr wusste, ob sich das jetzt noch natürlich anhört oder nicht . .  . weiterlesen

 

Bruchhausen-Vilsen 1986 (Gregor Renker)

 

Guiseppe Frosinini. Jeden Freitagabend Pflichttermin. Ristorante Frosinini. „Ein Besuch bei Frosinini ist etwas Besonderes,“ sagt Vater jeden Freitag. „Frosinini ist nicht einfach irgend-eine Pizza-Bude, das ist eine Institution…“ Für Vater das Highlight jeder Woche und deshalb ein gesellschaftlicher Pflichttermin für die ganze Familie. Die 500 Meter rüber in die Braut-straße werden natürlich nicht gelaufen. „Wofür haben wir denn den Wagen?“ Also alle rein in den Baby-Benz, Mama mal mit Absätzen und die lieben Kinder gebadet und gescheitelt, ich mit Cord-Sakko. Denn: Freitagabend bei Frosinini konnte auch schonmal Henning Scherf aufschlagen. Bremer Royalty sozusagen . . . weiterlesen